Automatische Befüllung der elektronischen Patientenakten ist ein Fehler

Ankündigungen von Karl Lauterbach stoßen auf Kritik des Deutschen Psychotherapeuten Netzwerkes.

BildAuf dem Neujahrsempfang der Deutschen Ärzte verkündete Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach seine weiteren Vorhaben in dieser Legislaturperiode. Unter anderem äußerte er sich zur elektronischen Patientenakte. Er wolle sich mit Tempo für die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) als Opt-Out-Lösung einsetzen. Und er befürwortet, „ein System, das die Akte automatisch befüllt – über die Praxissoftware“.

Aus Sicht des Deutschen Psychotherapeuten Netzwerkes (DPNW) bedeutet dies einen massiven Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Der DPNW-Vorsitzende Dieter Adler meint dazu: „Die Opt-Out-Regelung für die ePA ist für alle Patienten, Ärzte und Psychotherapeuten eine ungewollte Zwangseinweisung in die elektronische Patientenakte. Nur bei aktivem Widerspruch kann man der Entmündigung entgehen. Das ist der erste gravierende Fehler.“

Der zweite Fehler aus Sicht des DPNW offenbart sich angesichts weltweit auftretender Cyberangriffe auf medizinische Informationen. Dieter Adler gibt zu bedenken: „Keine Angst, Ihre Daten sind sicher. Wer traut sich heutzutage noch so etwas zu sagen? Fakt ist leider, weltweit werden ununterbrochen Gesundheitsakten gehackt. Da wundert mich schon sehr die Nibelungentreue der deutschen Gesundheitspolitik zur elektronischen Patientenakte und der Speicherung von Daten in der Gesundheitscloud.“

Aus Sicht des DPNW setzt Karl Lauterbach mit seinen Ausführungen auf dem Neujahrsempfang dem ganzen noch die Krone auf. Dieter Adler äußert: „Okay, die Patienten müssen mitmachen, ihre Daten können gehackt werden, die Gesundheitscloud ist nicht sicher. Ganz gleich, denn sie merken davon nichts. Die Praxissoftware speichert alles automatisch in der ePA. Weder Arzt noch Patient wissen, was die Software über sie mitschneidet.“

Für Psychotherapeuten lehnt Adler das konsequent ab. „Patienten müssen sicher sein, dass das, was sie unter vier Augen sagen auch vertraulich bleibt und nicht von anderen mitgelesen werden kann. Das bittere Ende folgt, wenn Daten in falsche Hände gelangen. Und damit meine ich nicht nur Hacker, sondern auch andere Interessengruppen, die in den persönlichen Daten nichts zu suchen haben.“

Außerdem sagte Karl Lauterbach auf dem Neujahrsempfang: „Wir werden jetzt vom anderen Ende herdenken. Was ist sinnvoll in der täglichen Praxis und wie können digitale Lösungen dazu aussehen?“

Dieter Adler kommentiert: „Halleluja, endlich mal eine richtige Aussage. Was ist sinnvoll? Und was wollen die Patienten, Ärzte und Psychotherapeuten? Und was hilft ihnen? Leider kommt Karl Lauterbach zu völlig falschen Schlussfolgerungen. Vielleicht sollte er seinen Elfenbeinturm einmal verlassen und sich mit den Beteiligten direkt unterhalten. Das würden sehr intensive Stunden für ihn mit völlig neuen Erkenntnissen.“

Über den Verband
Das „Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk – Kollegennetzwerk Psychotherapie“ (DPNW) wurde am 02.05.2019 in Bonn gegründet. Es hat über 2.000 Mitglieder und 12.000 Abonnenten seines Freitags-Newsletters. Damit ist der DPNW drittgrößter Berufsverband im Bereich Psychotherapie. Der Vorstand besteht aus: 1. Vorsitzender: Dipl.-Psych. Dieter Adler, 2. Vorsitzende: Dipl.-Psych. Claudia Reimer, Kassenwart: Dipl.-Psych. Robert Warzecha. Mehr unter: www.dpnw.de

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Deutsches Psychotherapeuten Netzwerk – DPNW
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