Equal Pay: Ein Blick in die lange Geschichte der Ungleichheit

Im Gespräch mit der grünen Vize-Landrätin des Rhein-Sieg-Kreises Michaela Balansky

Siegburg (ew). Der nächste Equal Pay Day findet am 7. März 2023 statt und markiert symbolisch die statistische Lohnlücke, den Gender-Pay-Gap, in Höhe von 18 Prozent. Bis zu dem Tag arbeiten Frauen de facto unentgeltlich, während ihre männlichen Arbeitskollegen seit dem 1. Januar 2023 entlohnt werden. Seit Jahren ändert sich daran kaum etwas.

Im März begeht nun Deutschland – wie in jedem Jahr um diese Zeit – den Equal Pay Day. Seit Jahren weisen die nackten Zahlen darauf hin, dass Frauen in Deutschland weniger verdienen als Männer. Die Gründe dafür sind vielschichtig, das macht die Einstellung der grünen Vize-Landrätin im Rhein-Sieg-Kreis, Michaela Balansky, nicht besser:

„Man hat das Gefühl, die Platte hat einen Sprung“, klagt sie. Eine „eklatante Ungerechtigkeit“, sei es, dass Menschen einfach aufgrund der Tatsache, dass sie Frauen sind, schlechter bezahlt würden. „Das macht mich schlicht und ergreifend wütend“, kommentiert Balansky.

Unbereinigter und bereinigter Gender Pay Gap

Der Equal Pay Day – sinngemäß in Deutsch „Tag der gleichen Bezahlung“ bezeichnet den Tag im Jahr, vom dem an Frauen genauso viel Geld verdienen wie Männer. Durchschnittlich 18,62 Euro erhält eine Frau in Deutschland brutto in der Stunde. Bei einem Mann sind es für die gleiche Tätigkeit gut vier Euro mehr: 22,78 Euro. So hat es das Statistische Bundesamt errechnet.

Die Lohnlücke, Gender Pay Gap genannt, beträgt somit 18 Prozent. Dies ist der unbereinigte Gender Pay Gap, der überwiegend strukturelle Ursachen hat. Frauen sind seltener in gut bezahlten Führungspositionen und üben viel häufiger als Männer Berufe aus, die schlechter bezahlt sind: In der Pflege, in der Kinderbetreuung, im Einzelhandel, in Dienstleistungsberufen. Ein weiterer Grund sind die Teilzeit-Beschäftigungen.

Die Statistiker vergleichen aber auch Männer und Frauen mit gleicher und gleichwertiger Qualifikation. Auch dann beträgt der Unterschied, der bereinigte Gender Pay Gap, immer noch sechs Prozent. Im Vergleich zur unbereinigten Lohnlücke misst er den Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern mit vergleichbaren Leistungen.

Das Entgelt-Transparenz-Gesetz hat nichts geändert

Das eigens geschaffene Entgelt-Transparenz-Gesetz hat an dieser Zahl nichts geändert: Sie ist seit Jahren gleich. Kritiker wissen, dass Frauen es nach wie vor sehr schwer haben, wirklich transparent zu erfahren, wie viel der männliche Kollege mit gleicher Leistung verdient.

„Deutschland hängt beim Gender Pay Gap hinterher. Im Europäischen Vergleich weist es einen der höchsten Gender Pay Gaps auf. Wir landen auf dem drittletzten Platz. Doch die geringere Lohnlücke, fährt Balansky fort, „ist in anderen Ländern oftmals darauf zurückzuführen, dass wesentlich weniger Frauen arbeiten als hierzulande“.

Und die grüne Politikerin nennt auch gleich einen Vorschlag,

„Wir müssen für die Anerkennung der Sorgearbeit kämpfen, die Erwerbsarbeit hat immer noch einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die Pflege und die Versorgung für Gesellschaft und Wirtschaft sind – und Balansky fährt fort: „Hierbei ist eine geschlechtergerechte Aufteilung aller Arbeiten von Nöten, um den Gender Pay Day in Richtung Neujahr zu schieben“.

Die bisherigen Gesetzgebungen wie beispielsweise das Entgelt-Transparenz-Gesetz haben die Lohnlücke nicht geschlossen. „Daher“, so fordert die grüne Politikerin, „ist es umso wichtiger, dass sich alle Frauen für gleiche Bezahlung stark machen. Sich für Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern engagieren! Wir als Frauen haben einen Anspruch darauf“.

Der „Tag für gleiche Bezahlung“ hat seinen Ursprung in den USA. Der Equal Pay Day wurde dort 1966 vom „National Committee on Pay Equity“ (NCPE) ins Leben gerufen. Das NCPE ist ein Zusammenschluss von amerikanischen Frauen- und Bürgerrechtsorganisationen, von Gewerkschaften sowie religiösen und beruflichen Vereinigungen. Er hat das Ziel, auf die ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen, insbesondere auch afroamerikanischen Frauen, hinzuweisen und die Lohnkluft zu beseitigen. 1963, als in den USA der Equal Pay Act (Gesetz zur gleichen Bezahlung) unterzeichnet wurde, bekamen Frauen im Schnitt nur 59 Cent, während Männer einen Dollar erhielten.

Immer wieder will der Equal Pay Day im März eines jeden Jahres ein Zeichen setzen – ein Zeichen für Gerechtigkeit!

„Ohne Frauen wäre die Welt nicht dort, wo sie heute ist. Doch vor uns liegt noch ein langer Weg. Kämpfen wir also und setzen damit ein Zeichen. Für Equal Pay– und für alle Frauen! Mit kleinen Schritten vorwärts“,  fordert die grüne Vize-Landrätin des Rhein-Sieg-Kreises, Michaela Balansky, alle Frauen auf.

Das Interview führte Eva Weller

Pressekontakt:
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