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Positionspapier des Fraunhofer IAO beleuchtet Schlüsselfaktoren für eine zukunftssichere Nachtökonomie

Wie viel Potenzial bietet die Nachtzeit für den gesellschaftlichen Wohlstand und das lokale Wirtschaftswachstum? Das Fraunhofer IAO hat internationale Städte mit ausgeprägter Nachtkultur untersucht und Erfolgsstrategien zum Aufbau einer resilienten Nachtwirtschaft abgeleitet. Das Positionspapier »The outlook on nighttime economy« zeigt Best Practices und beleuchtet die Relevanz für zukunftsfähige Städte.

»Die Stadt, die niemals schläft« ist eine berühmte Beschreibung für die amerikanische Metropole New York, aber auch europäische Städte wie London oder Amsterdam sind für ihr ausgeprägtes und abwechslungsreiches Nachtleben bekannt. In den letzten zehn Jahren hat die Nachtzeit sowohl bei den Kommunalverwaltungen als auch in der Forschung und im privaten Sektor zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. Die Bedürfnisse der Gesellschaft haben sich verändert und somit auch die Nachfrage nach unterschiedlichen Dienstleistungen am Abend und in der Nacht erhöht. Neue Geschäftsmodelle, Partnerschaften und Managementansätze sind entstanden, um das volle Potenzial der Nachtzeit auszuschöpfen. Nicht erst seit den gravierenden Auswirkungen der Corona-Pandemie erkennen immer mehr Städte die Relevanz der Nachtzeit, zum lokalen Wirtschaftswachstum beizutragen. Aber verfügt jede Stadt über das wirtschaftliche Potenzial, eine Nachtwirtschaft einzuführen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hat ein Forschungsteam des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO internationale Städte verschiedener Größen analysiert. Das Positionspapier »The outlook on nighttime economy« gibt einen Überblick über Best Practices, identifiziert Hindernisse, wirft einen Blick auf zukünftige Treiber und beleuchtet Schlüsselfaktoren zum Aufbau einer erfolgreichen Nachtwirtschaft unabhängig von Größe, Lage und kulturellem Hintergrund der Städte.

Individuelle Roadmaps auf Basis von Verständnis und Austausch

Die Nachtwirtschaft, zu welcher Aktivitäten zwischen 18 und 6 Uhr zählen, wird gemeinhin als Synonym für eine Unterhaltungs- und Kulturindustrie angesehen. Doch neuste Studien zeigen, dass sie durch eine Vielzahl von Sektoren repräsentiert wird; darunter das Gesundheitswesen, Transportdienstleistungen, Telekommunikation, Lebensmittelproduktion und -dienstleistungen, Lieferung und vieles mehr. Die Expert*innen des Fraunhofer IAO haben nicht nur Großstädte wie London oder Washington analysiert, die bereits von einem lebendigen Nachtleben profitieren, sondern auch kleine und mittelgroße Städte wie Mannheim, die sich auf dem Weg dorthin befinden. Mithilfe von Experteninterviews mit Schlüsselakteuren, die maßgeblich beim Aufbau einer Nachtökonomie beteiligt sind, konnte das Forschungsteam außerdem Hindernisse identifizieren und einen Bewertungsrahmen erstellen, der jede einzelne Stadt auf ihrem Weg zu einer zukunftssicheren Nachtwirtschaft unterstützt. »Unser Ziel war es, Erfolgspfade zu identifizieren, die für jede einzelne Stadt anwendbar sind, und trotzdem deren individuellen Charakter und Identität erhalten«, erklärt Petr Suska vom Fraunhofer IAO.

Zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren zählen die folgenden Erkenntnisse:

  • Berücksichtigung der Außenbezirke: Städte mit erfolgreichen Nachtwirtschaft-Strategien dehnen ihre nächtlichen Aktivitäten auf weniger zentral gelegene Standorte aus, um von den Vorteilen zu profitieren, die mit der breiteren Wirkung einer robusten Nachtwirtschaft verbunden sind.
  • Intensiver Dialog mit Stakeholdern: Der Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren auf Basis einer gemeinsam abgestimmten Wachstumsstrategie ist einer der erfolgsentscheidenden Schlüssel. So hat bspw. Mannheim von Beginn an monatliche Abstimmungstreffen mit Stadtverwaltung, Geschäftsinhaber*innen, Polizei und Gemeindevertreter*innen eingerichtet. Offene Kommunikation und Transparenz helfen, die städtischen Akteure auf den Wandel vorzubereiten, miteinzubeziehen und Konflikte zu vermeiden.
  • Die Größe der Stadt ist nicht entscheidend: Kleinere Städte haben ein hohes Potenzial für eine erfolgreiche Nachtwirtschaft. Während Großstädte die Nachtwirtschaft als natürliche Reaktion auf den dynamischen Lebensstil entwickeln, könnten kleinere Städte die nächtlichen Strategien nutzen, um Abwanderung zu verhindern und gleichzeitig ihre Attraktivität zu steigern.

24-Stunden-Wirtschaft: Raum für neue Möglichkeiten und Wege aus der Krise

Die Best-Practice-Städte zeigen, dass der Aufbau einer erfolgreichen Nachtwirtschaft einer Roadmap folgen muss, welche auf Grundlage eines vertieften Verständnisses der Nachtwirtschaft und durch einen intensiven Dialog mit den Stakeholdern erarbeitet wurde sowie die suburbanen Räume miteinbezieht. Immer mehr Städte ernennen deshalb »Nachtbürgermeister*innen« als Vermittler*innen zwischen einer städtischen Tag- und Nachtwirtschaft. In Deutschland wurde der erste deutsche Nachtbürgermeister im Jahr 2018 in Mannheim demokratisch gewählt. »Der Aufbau einer Nachtwirtschaft ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Erst, wenn alle Beteiligten und Interessensgruppen an einen gemeinsamen Tisch geholt werden, haben die Menschen die Möglichkeit, sich an der Veränderung ihrer Stadt zu beteiligen und eine resiliente Nachtzeit aufzubauen«, betont Suska. »Flexible Geschäftsmodelle für nachhaltige, lebenswerte und vielseitige Städte ist das, was wir brauchen, um vor allem jetzt die Herausforderungen der Corona-Pandemie zu meistern«.

Im Juni 2020 lud das Fraunhofer IAO in Kooperation mit dem UK Science & Innovation Network und der Britischen Botschaft Berlin internationale Teilnehmer*innen zur virtuellen Konferenz »Nighttime in Cities« ein. Auf Basis der daraus gewonnenen Erkenntnisse konnte das Forschungsteam bereits Best Practices sammeln; darunter Beispiele aus London, New York City, Washington D.C., Mannheim sowie aus dem privaten Sektor, welche die Bedeutung der Nachtmobilität und Daten für intelligente und zukunftssichere Städte von morgen aufzeigen.

https://www.iao.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/aktuelles/die-intelligente-stadt-schlaeft-nicht.html

Publikation in Englische Version: http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-622150.html

Pressekontaktdaten:
Lisa Raisch
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer IAO
Nobelstr. 12
70569 Stuttgart

Telefon +49 711 970-2293
E-Mail lisa.raisch@iao.fraunhofer.de

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